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"The Scheuer" - Therapiezentrum Bodensse erhält Anerkennung bei Holzbauoffensive Baden-Württemberg

Ravensburg/Baden-Württemberg, 2025 – Das Therapiezentrum Bodensee "The Scheuer" wurde bei der Holzbauoffensive Baden-Württemberg mit einer Anerkennung ausgezeichnet.

Anerkennung-Holzbauoffensive-Therapiezentrum-Bodensee-Kuttruff-Ingenieure

Als Tragwerksplaner des innovativen Holzbauprojekts freut sich Kuttruff Ingenieure über diese besondere Würdigung eines Projekts, das Nachhaltigkeit, Funktion und Ästhetik auf vorbildliche Weise vereint.

Auszeichnung für zukunftsweisendes Holzbauprojekt

Die Holzbauoffensive Baden-Württemberg zeichnet jährlich herausragende Holzbauprojekte aus, die durch Innovation, Nachhaltigkeit und gestalterische Qualität überzeugen. "The Scheuer", das neue Therapiezentrum Bodensee, erhielt eine Anerkennung in diesem renommierten Wettbewerb – eine Bestätigung für den konsequent verfolgten Holzbauansatz.

"Diese Anerkennung freut uns außerordentlich", erklärt das Team von KOSA ARCHITEKTEN. "Sie würdigt nicht nur die architektonische Qualität, sondern auch die tragwerksplanerische Präzision, die notwendig war, um die besonderen Anforderungen eines Therapiezentrums in moderner Holzbauweise umzusetzen."

Tragwerksplanung für besondere Nutzungsanforderungen

Am Ortseingang von Heiligenberg ist mit THE Scheuer – Therapiezentrum Bodensee ein Projekt entstanden, das exemplarisch zeigt, welches Potenzial in unscheinbaren Zweckbauten des ländlichen Raums steckt. Für uns als Tragwerksplaner ist dieses Projekt in besonderer Weise anerkennenswert, da es die konstruktiven Qualitäten eines einfachen forstwirtschaftlichen Gebäudes aus den 1930er‑Jahren nicht nur respektiert, sondern bewusst zum Ausgangspunkt der Transformation gemacht hat.

Die ehemalige Werkstatt steht stellvertretend für eine große Zahl funktionaler Holzgebäude, deren Tragstrukturen über Jahrzehnte zuverlässig getragen haben, deren Wert heute jedoch häufig unterschätzt wird. Vor diesem Hintergrund wurde konsequent auf Abriss oder eine vollständige bauliche Überformung verzichtet. Stattdessen verfolgt das Projekt einen Entwurfsansatz, der sich behutsam in die bestehende Struktur „einnistet“, ohne diese zu beschädigen.

Dieser Ansatz erlaubt einen klar differenzierten Umgang mit Alt und Neu. Während im Erdgeschoss gezielte Öffnungen für Licht, Luft und Erschließung die bestehende Tragstruktur durchdringen und das neue Innenleben unmittelbar mit dem Außenraum verknüpfen, entsteht im Obergeschoss ein unbeheizter, wettergeschützter Zwischenraum zwischen äußerer Hülle und neuem Innenbau. Aus statisch-konstruktiver Sicht ist dieser Raum besonders spannend: Er erweitert das Nutzungsspektrum jenseits der thermischen Hülle, schafft Aufenthaltsqualität und inszeniert zugleich das Zusammenspiel des historischen Holztragwerks mit dem neuen Einbau.

Konstruktiv blieb die bestehende Holztragstruktur vollständig erhalten. Auch die historischen Punktfundamente konnten bewahrt und in eine neue Bodenplatte integriert werden. Notwendige Instandsetzungen und statische Ertüchtigungen erfolgten gezielt und mit großer Zurückhaltung – ohne die ursprüngliche konstruktive Logik des Gebäudes zu verändern. Dachhaut und Fassadenbekleidung wurden unabhängig von der Tragstruktur erneuert, sodass die Lastpfade des Bestands unangetastet blieben. Ein umlaufendes Lichtband im oberen Fassadenbereich übernimmt dabei nicht nur gestalterische Aufgaben, sondern trägt wesentlich zur gleichmäßigen Belichtung und natürlichen Belüftung der Zwischenzone sowie der dahinterliegenden Therapieräume bei.

Der neue Einbau ist konsequent als eigenständiger Holzbau ausgeführt. Vorgefertigte Wandelemente und eine klassische Deckenbalkenkonstruktion ermöglichten eine präzise Umsetzung, kurze Bauzeiten und minimale Eingriffe in den Bestand – ein entscheidender Aspekt aus tragwerksplanerischer Sicht. Holz fungiert hier nicht nur als tragender Baustoff, sondern prägt maßgeblich Atmosphäre, Akustik und Raumwahrnehmung.

Die Nachhaltigkeit des Projekts ergibt sich unmittelbar aus dem konstruktiven Konzept. Der vollständige Erhalt der Tragstruktur vermeidet Abbruchabfälle, reduziert den Materialeinsatz und spart einen erheblichen Anteil grauer Energie sowie CO₂‑Emissionen ein. Gleichzeitig wurde der innere Neubau so konzipiert, dass er flexibel auf zukünftige Nutzungsänderungen reagieren kann und bei Bedarf sogar rückstandsfrei rückbaubar ist. Die Außenanlagen beschränken sich bewusst auf das Notwendige, minimieren versiegelte Flächen und fördern Versickerung und Verdunstung.

Heute beherbergt die Scheuer Ergo‑ und Physiotherapie, Logopädie sowie ein Frühförderzentrum. Die offen organisierte Nutzung mit gemeinschaftlich genutzten Bereichen ermöglicht kurze Wege und flexible Abläufe. Besonders bemerkenswert ist aus unserer Sicht, dass es gelungen ist, dieses Gebäude innerhalb von nur vier Monaten mit einfachen Mitteln und handwerklicher Präzision umzusetzen.

THE Scheuer – Therapiezentrum Bodensee zeigt beispielhaft, wie durch einen respektvollen, konstruktiv durchdachten Umgang mit dem Bestand zukunftsfähige Architektur entstehen kann. Für vergleichbare Bestandsgebäude im ländlichen Raum besitzt dieses Projekt aus tragwerksplanerischer Sicht echten Modellcharakter.

"Solche Projekte gelingen nur, wenn alle Beteiligten die gleiche Leidenschaft für Qualität und Nachhaltigkeit teilen", so Kuttruff Ingenieure. "Die Anerkennung gebührt dem gesamten Projektteam."

Ausblick: Holzbau als Standard

"Diese Anerkennung motiviert uns, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen", erklären die KOSA Architekten. "Holzbau ist für uns nicht Trend, sondern Überzeugung. Jedes Projekt, bei dem wir Holz statt Beton einsetzen können, ist ein Beitrag zur Bauwende."

Mit wachsender Erfahrung in Holzbau-Tragwerksplanung, von Wohnbauten über Schulen bis zu Therapiezentren, positioniert sich Kuttruff Ingenieure als kompetenter Partner für nachhaltige Bauprojekte in der Bodenseeregion.

"The Scheuer" zeigt exemplarisch: 
Die Zukunft des Bauens ist aus Holz – gesund, nachhaltig und ästhetisch überzeugend.

Danke an das tolle Projektteam!

 

Über "The Scheuer" - Therapiezentrum Bodensee:

Bauherr: Therapiezentrum Bodensee
Nutzung: Therapiezentrum für Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie
Bauweise: Holzmassivbau

Fertigstellung: 2025
BGF: 1.050 qm
Besonderheit: Nachhaltiger Erhalt eines Forstgebäudes von 1930 – Integration des Therapiezentrums
Auszeichnung: Anerkennung Holzbauoffensive Baden-Württemberg
Architekt: KOSA-Architekten, Heiligenberg
Holzbau: KOPP, Heiligenberg
Tragwerksplanung: Kuttruff Ingenieure GmbH & Co. KG

 

Copyright Foto: Felix Kästle